Iß was, Doc!

DocS­ny­der wünscht sich sehn­lichst das Nach­spei­sen­re­zept unse­res Sil­ve­ster­fest­mahls. Natür­lich erfül­len wir unse­ren Lese­rin­nen und Lesern alle Wün­sche, sogar außer­halb der Spei­sen­rei­hen­folge Auf­grund mei­ner Ver­geß­lich­keit (statt am Vor­abend wan­der­ten die Espres­so­boh­nen erst am Vor­mit­tag des 31. Dezem­ber in den Obers, wodurch die Mazer­a­tion erst nach den Austern und Hum­mer-Cro­stini abge­schlos­sen war) gibt es keine Bil­der der Zubereitung. 

Stö­ren­der ist ver­mut­lich der Umstand, daß eine wich­tige Kom­po­nente, näm­lich die Wein­brand­weich­seln, quasi als Con­ve­ni­ence-Pro­dukt ver­wen­det wer­den.

Kaffeecreme mit Amarettini-Crumble mit Weinbrandweichseln
Bild: Der Küchenmeister | mnd.sc

Dolce: Sorbetto all’arancia

Zum Abschluß eines ita­lie­ni­schen Menüs gehört ein­fach ein dolce – mit einem som­mer­li­chen Sor­bet endet daher auch unsere Ita­lie­ni­sche Reise. Auch wenn der heu­rige Som­mer nur noch eine ferne Erin­ne­rung ist, möchte ich euch mein Eis­re­zept nicht vorenthalten. 

Schon lange bevor ich eine Eis­ma­schine mein eigen nen­nen konnte (klei­ner Exkurs: eine Nemox Gela­tis­simo, glei­che Tech­nik wie die klein­ste „Profi“-Maschine von Nemox, die Gelato Pro 1700; zwar mit Pla­stik­ge­häuse, dafür aber um den hal­ben Preis erhält­lich), habe ich mich an einem Blut­oran­gen-Cam­pari-Par­fait ver­sucht, mit durch­aus wohl­schmecken­den Ergeb­nis­sen.

Mehrere Glasschüsseln mit Orangensorbet
Bild: <a href="http://gregorjoham.at">Gregor Joham</a>

Secondo: Pollo al limone (und ein bißchen Wein)

Die Aus­wahl der Wein­be­glei­tung war zu die­sem Menü etwas anspruchs­vol­ler. Einer­seits zeich­nen sich alle Spei­sen durch einen recht star­ken Eigen­ge­schmack aus und ande­rer­seits sollte der Wein auch aus Ita­lien kommen. 

Zum Vitello ton­n­ato wähl­ten wir einen Vernac­cia di San Gimignano von der Fat­to­ria di Pan­cole, Tos­kana, aus dem Jahr 2010. Der recht kräf­tige Geschmack mit Grape­fruit-Noten har­mo­nierte gut mit Fisch und Kapern, hätte aber auch noch eine etwas stär­kere Wür­zung ver­tra­gen. Ein wei­te­rer Grund für die Wahl die­sen Wei­nes war jedoch auch, daß er geschmack­lich noch etwas Spiel­raum für die wei­te­ren Gänge ließ. 

Für die näch­sten bei­den Gänge plan­ten wir drei ver­schie­den Weine mit einem Wech­sel von Weiß- auf Rot­wein und stei­gende Kraft.

Pollo al limone
Bild: <a href="http://gregorjoham.at">Gregor Joham</a>

Secondo: Pollo affogato alla Ligure

Unsere Ita­lie­ni­sche Reise liegt immer wei­ter zurück und ich habe immer noch nicht alle Rezepte ein­ge­stellt. Ein Bei­trag pro Monat ist defi­ni­tiv zu wenig – außer­dem naht schon bald das näch­ste Fest­mahl (der Jah­res­zeit ent­spre­chend mit viel wil­dem Wild – nähe­res dazu näch­ste Woche). So kann’s also nicht wei­ter­ge­hen. Ich gelobe fei­er­lich Besserung! 

Die Wein­haue­rin bestand ja dar­auf, daß wir unbe­dingt zwei Haupt­spei­sen bräuch­ten, so von wegen Wett­be­werb und so. Sechs Hüh­ner sind dann aber auch für 20 (bzw. letzt­lich 18) Men­schen zu viel. Zumin­dest wenn es vor­her auch noch vitello ton­n­ato und taglia­telle ai fin­ferli gibt! 

Das von ihr vor­ge­schla­gene Zitro­nen­huhn war mir trotz zahl­rei­cher Inter­net-Rezepte irgend­wie zu unau­then­tisch (falls ich mich das über­haupt schrei­ben trauen darf).

Pollo affogato nach dem Überbacken im Rohr
Bild: <a href="http://www.gregorjoham.at">Gregor Joham</a>

Primo: Tagliatelle ai finferli di Carinzia

Mit den rich­ti­gen Zuta­ten ist das ein Gericht, des­sen Zube­rei­tung keine fünf Minu­ten benö­tigt! (OK, für 20 Leute stimmt das nur, wenn man auch die ent­spre­chend gro­ßen Töpfe und Pfan­nen hat und das Was­ser schon kocht ;-)) Die Nudeln wur­den frisch geschnit­ten erjagt in La Paste­ria im Wie­ner Ser­vi­ten­vier­tel (und der feine ita­lie­ni­sche Käse kam gleich mit)! 

Eigent­lich waren nur Taglia­telle ai fin­ferli geplant, aber zwei Kilo Stein­pilze konn­ten wir dann auch nicht aus­schla­gen. Die Eier­schwam­merl und Stein­pilze wur­den direkt aus dem feind­li­chen süd­li­chen Aus­land importiert. 

Wir hat­ten übri­gens keine aus­rei­chend gro­ßen Koch­uten­si­lien ver­füg­bar, wes­we­gen wir die Taglia­telle in zwei Tran­chen ser­vie­ren muß­ten.

Tagliatelle ai finferli
Bild: <a href="http://www.gregorjoham.at">Gregor Joham</a>

Bis meine Nüsse schwarz werden

Tief­schwarz sind sie inzwi­schen, meine Nüsse. Vor einem Monat waren sie noch grün. Tra­di­tio­nell vor oder um die Johan­nis­nacht (24. Juni) gepflückt, sind grüne Wal­nüsse die Basis für aller­lei wohl­schmeckende Zube­rei­tun­gen. Vin de noix, Nocino und wie die ange­setz­ten Liköre und Schnäpse da alle hei­ßen, sind doch eher nichts für Kin­der. Schwarze Nüsse hin­ge­gen – auch wenn sie sich im Titel die­ses Bei­trags nicht so anhö­ren mögen – hin­ge­gen schon. Zum Bei­spiel mit Vanille- oder Nuß­eis. Doch auch, wer nicht unbe­dingt zu den Nasch­kat­zen zählt, wird schwarze Nüsse schät­zen: Sowohl zu Käse wie zu Paste­ten und Wild­ge­rich­ten pas­sen die ein­ge­leg­ten Wal­nüsse ganz vorzüglich! 

Letz­tes Jahr habe ich mehr als einen Kilo grüne Nüsse vom Wal­nuß­baum im Gar­ten der Oma der Gärtnerin geern­tet.

Schwarze Nüsse im Glas
Bild: Der Küchenmeister | mnd.sc

Rhabarber, Rhabarber

Angeb­lich wurde oder wird das Wort „Rha­bar­ber“ gerne im Thea­ter- und Film­ge­schäft ver­wen­det, um die Lip­pen­be­we­gun­gen und den Geräusch­pe­gel eines ange­reg­ten Gesprächs zu simu­lie­ren, ohne durch tat­säch­lich ver­steh­bare Gesprächs­fet­zen die eigent­li­che Hand­lung zu stö­ren. Ob die Neben­be­deu­tun­gen „Unsinn“, „unver­ständ­li­ches Gemur­mel“ von die­ser Pra­xis oder doch direkt von der grie­chi­schen Wur­zel bar­ba­ros abge­lei­tet sind, ist da schon fast neben­säch­lich. Fest steht: Der Rha­bar­ber wird lau­fend verleumdet. 

Was mit dazu bei­tra­gen mag: die klas­si­sche Zube­rei­tungs­me­thode im deutsch­spra­chi­gen Raum ist das Kom­pott.

Rhabarberstücke in weißer Porzellanschale
Bild: Der Küchenmeister | mnd.sc