Autor(inn)enarchiv: Der Küchenmeister

Der Küchen­meis­ter arbei­tet als Infor­ma­ti­ker und dilet­tiert in sei­ner Frei­zeit am Herd und Zir­ku­la­tor. Seit eini­gen Jah­ren gilt sein beson­de­res Inter­esse den moder­nen Küchentechniken.

Unter Insektenfressern

Ganz unbe­kannt war die Ento­mo­pha­gie auch im deutsch­spra­chi­gen Raum nicht, wie aus dem 19. Jahr­hun­dert stam­mende Rezepte für Mai­kä­fer­suppe bewei­sen. Man rech­nete 30 Mai­kä­fer pro Per­son und geschmeckt haben soll sie ähn­lich wie Krebs­suppe, also durch­aus deli­kat. Danach aber war lange Zeit Pause mit dem Insek­ten­es­sen und anders als in Mit­tel- und Süd­ame­rika, Asien und Afrika ist diese kuli­na­ri­sche Tra­di­ti­ons­li­nie bei uns lange in Ver­ges­sen­heit geraten. 

Dabei gäbe es für das Ver­spei­sen von Kerb­tie­ren in einem Land mit weit­ge­hend katho­li­scher Sozia­li­sa­tion sogar ein bibli­sches Vorbild: 

καὶ ἦν ὁ Ἰωάννης ἐνδεδυμένος τρίχας καμήλου καὶ ζώνην δερματίνην περὶ τὴν ὀσφὺν αὐτοῦ, καὶ ἐσϑίων ἀκρίδας καὶ μέλι ᾄγριον. 

Johan­nes trug ein Gewand aus Kamel­haa­ren und einen leder­nen Gür­tel um seine Hüf­ten und er lebte von Heu­schrecken und wil­dem Honig. 

Mar­kus 1,6 ()

Insekten auf den Speiseplan

Chri­stoph Tho­mann und sein Ver­ein Spei­se­plan (Eigen­be­schrei­bung: „Ver­ein zur Bewusst­seins­för­de­rung alter­na­ti­ver und nach­hal­ti­ger Ernäh­rung“) wol­len das nun mit regel­mä­ßi­gen Insek­ten­ver­ko­stungs­aben­den in Hanni Rütz­lers future­food­stu­dio ändern.

Standardlinks zum Thema „Sherry“

Zwi­schen 2005 und 2007 erschien in der Tages­zei­tung „Der Stan­dard“ eine feine Serie von Klaus Hackl zum Thema Sherry. Ärger­li­cher­weise sind die Bei­träge zwar im Online-Archiv noch zugäng­lich, aber nur noch sehr schwer über die sei­ten­in­terne Such­funk­tion auf­find­bar. Damit diese Schätze nicht ver­lo­ren­ge­hen, habe ich die Links zu allen Tex­ten der Reihe, die ich über Google aus­fin­dig machen konnte, gesam­melt.

Vorwort

Sherry – welt­be­rühmt, doch unbe­kannt

Klaus Hackls Sherry-Serie

  1. Man­z­a­nilla, Fino & Co
  2. Das Sherry Drei­eck (sic!)
  3. Palo­mino, Pedro Xime­nez & Moscatel
  4. Von der Traube zum Wein
  5. La Flor del Vino
  6. Sherry – Typen und Charaktere
  7. Al Ina
  8. Der erste Sherryboom
  9. Auf und ab im 20. Jahrhundert
  10. Sherry heute
  11. Der Con­sejo Regulador
  12. Die Zukunft des Sherry
  13. El Toro – die Geschichte des Stiers
  14. Sherry – uni­ver­sel­ler Speisenbegleiter
  15. Sherry Bode­gas – Kathe­dra­len des Weins
  16. Man­z­a­nilla – El vino de la alegria
  17. Val­di­via – neuer Stern am Sherryhimmel
  18. Sherry Sherry Lady – Der Test Teil 1
  19. Sherry Sherry Lady – Der Test Teil 2
  20. Sherry Sherry Lady – Der Test Teil 3
  21. Palo Cor­tado – eine Laune der Natur?

Erinnerungen an meinen Vater

Vor drei­ein­halb Mona­ten ist mein Vater gestürzt. Fast zwei Wochen hat sein Kör­per durch­ge­hal­ten, aber die Gehirn­blu­tung ließ sich nicht stop­pen. Seit damals bin ich sprach­los. Nicht im All­tag, aber hier, beim Schrei­ben. Der letzte Text, den ich ver­faßt habe, war die Toten­rede für mei­nen Vater. 

Ich weiß nicht, ob mein Vater die­sen Blog jemals zu Gesicht bekom­men hat. Wahr­schein­lich hätte er schon mit dem Begriff blog nichts anzu­fan­gen gewußt. Das Inter­net war für ihn kein Neu­land, son­dern terra inco­gnita im ursprüng­li­chen Sinn: HIC SVNT LEONES.

Kein Schaum nicht: Räucherlachsterrine

„Lachs­mousse“ nannte meine Mut­ter das Gericht, das bei uns ab Mitte der 1990er Jah­ren zu fest­li­chen Anläs­sen gerne ser­viert wurde. In sei­ner Ursprungs­form stammte das Rezept von einer Nach­ba­rin, noch mit Lachs­er­satz und Tuben-„Majo“. So hat meine Mut­ter das aber zum Glück nie ser­viert – bei uns war die Mayon­naise stets frisch und der Räu­cher­lachs echt. Jeden­falls war diese „Lachs­mousse“ dann auch eine der ersten Spei­sen, die ich selbst zuzu­be­rei­ten ver­stand. „Du mußt mir unbe­dingt noch die­ses Rezept ver­ra­ten!“ bekam ich mehr als ein­mal zu hören.

„Werden hier etwa Tiere getötet?“ Über den Nutzen von Kochkursen

Nie­mand lernt in einem Koch­kurs kochen. Allein schon die Vor­stel­lung ist absurd. Kochen ist zual­ler­erst Hand­werk. (Die Koch­kunst im eigent­li­chen Sinn, wie sie Fer­ran Adrià und andere Spit­zen­kö­chin­nen und ‑köche betrei­ben oder betrie­ben haben, soll für die fol­gen­den Gedan­ken außen vor blei­ben.) Wie jedes Hand­werk ist auch das Küchen­hand­werk in Wahr­heit nur auf eine Art erlern­bar: durch das fort­wäh­rende Tun. 

Damit möchte ich natür­lich nicht aus­drücken, daß das Ler­nen unter Anlei­tung den mei­sten Men­schen nicht etwas leich­ter fällt.

Zum Bezwingen der Zucchiniberge

Da hat die Gärtnerin letzte Woche Zuc­chini aus Eigen­an­bau mit­ge­bracht und ich weiß nicht, wohin mit dem Zeug. Also ja, rata­touille wäre natür­lich eine Mög­lich­keit, aber für eine Per­son waren’s zu viele Zuc­chini und zum Ein­frie­ren ist rata­touille auch nur bedingt geeig­net. (Daß Katha­rina meine Sicht auf Zuc­chini teilt, habe ich ebenso wie ihr Erweckungs­re­zept für pikante torta di zuc­chine lei­der zu spät gese­hen. Aber die näch­ste Zuc­chi­ni­lie­fe­rung kommt bestimmt!) Was läßt mit Zuc­chini zwei­fel­haf­ter Größe machen und gut ein­frie­ren für zwei­same Zei­ten?

Bei Katharina Prato im Palais

Graz ist ein har­tes Pfla­ster für die geho­bene Gastro­no­mie, das hat­ten wir schon bei der Bras­se­rie Sant­ner gese­hen. Das 2011 eröff­nete Prato im Palais hat das noch stär­ker zu spü­ren bekom­men: Insol­venz im letz­ten Herbst, dazu wech­sel­ten die Küchen­chefs in rela­tiv kur­zen Abstän­den. Keine guten Vor­aus­set­zun­gen für einen Lokal­be­such, könnte man mei­nen. Doch wenn einem eine kri­ti­sche Genie­ße­rin wie Katha­rina Sei­ser von dem jun­gen, neuen Koch vor­schwärmt, der dort jetzt das Ruder über­nom­men hat (ihren Text in der Süd­deut­schen Zei­tung habe ich erst spä­ter zu Gesicht bekom­men), dann ist das schon eine starke Emp­feh­lung für Kevin Hammin­gers Küche. 

Bei unse­rem Besuch Anfang Mai war an ein Sit­zen im Gast­gar­ten lei­der noch nicht zu den­ken.