Ich kann sagen, daß ich mich auf diesen Wein freute. Es ist ein rother, dicker und ungemein starker Naturtrank, von dem drei Schluck genügen, um einen Menschen, der noch nie Wein getrunken hat, in einen gelinden Rausch zu versetzen.

Karl May: Durchs wilde Kurdistan

Durchs wilde Burgenland

Weinreben in der Nähe von Illmitz
Bild: Der Küchenmeister | mnd.sc
Landschaft im Seewinkel
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Der See­win­kel ist eine eigen­wil­lige Land­schaft: brett­le­ben und zumin­dest aus der Sicht von Stadt­men­schen eher spär­lich besie­delt. An trü­ben Herbst­ta­gen kann da leicht das Bedürf­nis ent­ste­hen, sich zum Schutz vor der vie­len Gegend in den eige­nen Wein­kel­ler zurück­zu­zie­hen. Über den ver­fügt im See­win­kel glück­li­cher­weise eigent­lich jede Fami­lie – und man­che wohl auch über meh­rere davon. Natür­lich leben nicht alle vom Wein­bau, aber so ein bis­serl neben­bei … Ein loh­nen­des Ziel für Rot- wie Süß­wein–Affi­cio­na­dos.

Auch die Gärtnerin und ich kom­men ein­mal im Jahr hier­her, um unsere Wein­vor­räte auf­zu­fül­len. Oder bes­ser: um einen ordent­li­chen Wein­kel­ler erst ein­mal auf­zu­bauen. Von der in Öster­reich übli­chen Jung­wein­trin­ke­rei halte ich näm­lich gar nichts. Egal ob „Stei­ri­scher Jun­ker“ oder, wie die­ses Trau­ben­mo­sterzeug­nis hier genannt wird, „Alpha“ – sie kön­nen mir alle gestoh­len blei­ben. (Ganz gene­rell darf Wein gerne län­ger lie­gen – im Faß oder in der Fla­sche, am besten bei­des. Aus mei­ner Sicht gilt das nicht nur für die Roten, ich gebe aber gerne zu, daß gut gereifte Weiß­weine nicht jeder­manns Sache sind.) 

Nach­dem des schon ein paar Jahre so läuft, haben wir natür­lich schon unsere Lieb­lings­win­ze­rin­nen und -win­zer (und auch das eine oder andere kuli­na­ri­sche Ziel abseits des Wein­an­baus). All­fäl­lige Geheim­tips neh­men wir trotz­dem gerne ent­ge­gen Hier also die Höhe­punkte der heu­ri­gen Tour durch das wilde Bur­gen­land.

Weingut Schwarzbauer

Marmeladen von Michaela Schwarzbauer
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Mit nur 5 Hektar bewirt­schaf­te­ter Flä­che gehört die Fami­lie Schwarz­bauer in Ill­mitz zu den klas­si­schen Neben­er­werbs­win­zern. Was das Wein­gut von ande­ren unter­schei­det, ist die „ange­hängte“ Mar­me­la­de­pro­duk­tion. Michaela Schwarz­bauer stellt in hand­werk­li­chen Klein­se­rien Mar­me­lade her. Neben Klas­si­kern wie Hage­butte, Paprika-Chili und Zwetschke mit Bal­sa­mico-Essig pro­biert sie auch immer wie­der unge­wöhn­li­chere Kom­bi­na­tio­nen aus. Heuer zum Bei­spiel Mohn-Erd­äp­fel – quasi Mohnn­nu­deln im Glasl. 

Schwarzbauer Pinot noir rosé barrique
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Seit Sohn Phil­ipp als jüng­ster Kel­ler­mei­ster in Ill­mitz mit­mischt, sind die Fla­schen­eti­ket­ten deut­lich fescher gewor­den. Der für sein Geld wirk­lich phan­ta­sti­sche Pinot noir hat letz­tes Jahr zwar um ein Drit­tel im Preis ange­zo­gen, mit 8 Euro ist er aber immer noch sehr leist­bar. Auch die neue Rosé-Vari­ante des Blau­bur­gun­ders wußte zu gefal­len. Wenn der Lie­fer­ter­min nicht zeit­kri­tisch ist, wird auch in Wien zuge­stellt.

Anita & Richard Goldenits

Richard und Anita Goldenits im Weinkeller
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Eine Emp­feh­lung des Wirts, als wir vor eini­gen Jah­ren aus­nahms­weise nicht in Ill­mitz, son­dern in Frau­en­kir­chen näch­tig­ten. Anita und Richard Gol­de­nits aus Tadten sind wohl so etwas wie ein up-and-com­ing-Wein­gut. Noch nicht der ganz große Name (und der ent­spre­chende Preis­auf­schlag), aber mit gro­ßer Pro­fes­sio­na­li­tät und unbe­ding­tem Wil­len zur Qua­li­tät haben sie sich schon einige Prä­mie­run­gen erar­bei­tet und einen ent­spre­chen­den Kun­den­stock auch in der Gastro­no­mie erar­bei­tet. Moder­ner Wein­bau, aber ohne zwei­fel­hafte Abkür­zun­gen. Die Umstel­lung auf bio­lo­gi­sche Land­wirt­schaft ist mitt­ler­weile fast voll­stän­dig abge­schlos­sen: Alle Weiß- und jahr­gangs­be­dingt knapp die Hälfte der Rot­weine stam­men aus zer­ti­fi­ziert bio­lo­gi­schem Anbau. (EU-weite Vor­ga­ben für eine öko­lo­gi­sche Kel­le­rei­wirt­schaft, die eine Zer­ti­fi­zie­rung von „Bio­wei­nen“ ermög­li­chen, wur­den erst im März die­ses Jah­res beschlos­sen.)

Die "Weinwand" im Verkostungsraum des Weinguts Goldenits
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Die bei­den pro­du­zie­ren ein brei­tes Spek­trum an Wei­nen. Bei den Wei­ßen sticht der trotz sei­ner Jugend sehr runde Meß­wein 2011 her­vor. Ein Char­don­nay, der sowohl die Casual-Weiß­wein­trin­ke­rin wie im Küchen­ein­satz erfreuen kann. Auch der (Ver­ko­stungs­no­tiz) „süf­fige“ Säm­ling Friz­zante (der leich­ter schmeckt als er mit 11,7 % Vol. ist) fand als „Früh­stücks­wein“ sei­nen Weg auf meine Ein­kaufs­li­ste.

Weinglas neben einer Flasche Goldenits Best of '09
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Der Schwer­punkt des Goldenits’schen Œuvres liegt jedoch ein­deu­tig auf den Rot­wei­nen. Her­vor­he­bens­wert:

    • St. Lau­rent Prä­dium 2009 – „inten­sive Wald­erd­beere, Pinot-Stin­kerl“
    • Caber­net Sau­vi­gnon 2009 – „Tan­nine! Lagern!“
    • Best of ’09, eine Cuvée aus Zwei­gelt, Syrah und Caber­net Sau­vi­gnon. Der Name ist Pro­gramm, als Ver­ko­stungs­no­tiz ist nur „Oh ja!“ ein­ge­tra­gen

Ein Süß­wein, der Char­don­nay 2007 Trocken­bee­ren­aus­lese kam dann auch noch mit. Die Haus­zu­stel­lung nach Wien ist trotz Ab-Hof-Preis kein Pro­blem.

Angerhof Tschida

Die IWC-Trophäen von Hans Tschida
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Nach vier Jah­ren Absti­nenz haben wir auch heuer auch wie­der bei einem der bei­den „Süß­wein­kai­ser“ von Öster­reich vor­bei­ge­schaut, beim Anger­hof Tschida. Nur ein paar Tage vor unse­rem Besuch ist Hans Tschida in Lon­don zum drit­ten Mal in Folge als Sweet Wine­ma­ker of the Year aus­ge­zeich­net wor­den – bis zum Schluß war daher frag­lich, ob sich unser Ver­ko­stungs­ter­min denn wirk­lich aus­ge­hen würde. Hat aber dann doch geklappt, die Fei­er­lich­kei­ten fan­den schon einen Tag frü­her statt. 

"Weinwand" im Verkostungsraum Angerhof Tschida
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Was soll ich über die Tschida’schen Weine schrei­ben, das nicht eh schon in einer der zahl­rei­chen Wein­ga­zet­ten zu lesen ist? Ein paar durch­aus anstän­dige Rot­weine haben wir ver­ko­stet, vor allem aber Bee­ren- und Trocken­bee­ren­aus­le­sen auf Welt­ni­veau. Natur­ge­mäß, aber trotz­dem lei­der, auch preis­lich, ein paar Fla­scherln haben es aber auch so in mei­nen Kof­fer geschafft. (Gelie­fert wird – jeden­falls für Pri­vat­kun­den unse­rer Abnah­me­men­gen­klasse – nicht.) 

TschidaChili

Jan Tschida
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Ein wei­te­rer Tschida aus Ill­mitz (all­fäl­lige Ver­wand­schafts­be­zie­hun­gen sind mir nicht bekannt) ver­sorgte uns mit echt schar­fen Sachen. Der 21-jäh­rige Maschi­nen­bau­stu­dent Jan Tschida zieht und ver­ar­bei­tet neben­bei am Hof sei­ner Eltern aller­lei Chi­li­s­or­ten. Auf­merk­sam auf ihn wur­den wir durch einen Bericht im über das zweite Wald­viert­ler Chili-Festi­val im Online-Stan­dard. Unter sei­ner Marke Tschida­Chili ver­treibt er neben Chi­li­saucen, -pasten und -sal­sas die schar­fen Früchte auch in Salz- und Pul­ver­form. Unser Favo­rit war jeden­falls ein­deu­tig die „Sim­sala Salsa“ mit gerö­ste­ten Para­dei­sern und Oran­gen – per­fekt zu Nachos oder gerö­ste­tem Weiß­brot!

Erich Stekovics

Stekovics-Paprika im Glas
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Vier geflochtene Knoblauchzöpfe
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Burgenländischer Knoblauch
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Erich Ste­ko­vics und sein „Para­dies der Para­deis“ in Frau­en­kir­chen sind mitt­ler­weile wohl allen kuli­na­risch inter­es­sier­ten Men­schen zwi­schen Sopron und Sem­me­ring ein Begriff. Ein­ge­legte Para­dei­ser, Paprika und andere Spe­zia­li­tä­ten (Umur­ken! „Mieze Schindler“-Marmelade!) gibt es ganz­jäh­rig zu kau­fen, aber Knob­lauch gibt es nur im Herbst. Rich­ti­gen öster­rei­chi­schen Knob­lauch, der als schmucker Zopf zumin­dest bis ins Früh­jahr hält (zumin­dest vor drei Jah­ren war das so, im Jahr dar­auf lei­der nicht – für die heu­rige Ernte hab ich natür­lich noch keine aus­sa­ge­kräf­ti­gen Erfah­run­gen). Im Früh­jahr könnte man auch Para­dei­ser- und Chi­li­pflan­zen erwer­ben, dazu hat’s uns aber noch nie recht­zei­tig ins Bur­gen­land ver­schla­gen.

Stekovics-Cocktail-Paradeiser
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Was sich lei­der eben­falls noch nie erge­ben hat: Die Teil­nahme an einer der „Plan­ta­gen­füh­run­gen“. Von Anfang Juli bis Anfang Sep­tem­ber kann man sich vom Para­dei­ser­kai­ser per­sön­lich durch seine Fel­der füh­ren las­sen (und natür­lich ver­ko­sten). Ohne Reser­vie­rung geht aller­dings nichts und ganz bil­lig sind die mehr­stün­di­gen Aus­flüge auch nicht (45 Euro, wobei man 15 Euro als Waren­gut­schein retour erhält). Blö­der­weise sind wir tra­di­tio­nell immer eine oder zwei Wochen zu spät dran für die Füh­run­gen. Letz­tes Jahr wär sich’s dann fast aus­ge­gan­gen. Die Gärtnerin und ich hat­ten Mitte August sogar schon reser­viert, aber bei 30 °C im Schat­ten war die Aus­sicht auf ein küh­les Bad im nahe­ge­le­ge­nen Schot­ter­teich dann doch ver­locken­der als eine drei­stün­dige Feld­be­ge­hung. Viel­leicht klappt es ja näch­stes Jahr! 

Meister Karlo und die kleinen Schweinchen

Auslage der Fleischerei Karlo in Illmitz
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Was fehlt noch in die­sem klei­nen Erleb­nis­be­richt? Ah ja. Die Vieh­zucht und Fleisch­pro­duk­tion in gro­ßem Stil ist hier am Rande der pan­no­ni­schen Tief­ebene nicht das Thema, ein paar feine lokale Spe­zia­li­tä­ten gibt es aber schon. Abge­se­hen von den Mar­ti­nig­ansln (für die es Anfang Sep­tem­ber aber noch ein biß­chen früh war), wären da zum Bei­spiel die Pro­dukte vom Grauen Step­pen­rind und vom Manga­litza­schwein zu nen­nen, die die Tra­di­ti­ons­flei­sche­rei Karlo her­stellt.

Fleischtheke der Fleischerei Karlo
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Der Haupt­sitz der Flei­sche­rei Karlo liegt in Pam­ha­gen nahe der unga­ri­schen Grenze, wir haben die Filiale in Ill­mitz besucht. Vor­ge­schnit­tene Schnit­zel und der­glei­chen gibt es hier nicht, jede Fleisch­be­stel­lung wird frisch abge­schnit­ten von den gro­ßen Trüm­mern, die in der rück­wer­ti­gen Kühl­vi­trine hän­gen. Nach­dem wir als Pen­si­ons­gä­ste mit rohem Fleisch nicht so viel anfan­gen konn­ten, haben wir uns mehr auf die ange­bo­te­nen Selch- und Wurst­wa­ren kon­zen­triert. Der Man­ga­litz­as­peck wurde gleich an Ort und Stelle ver­ko­stet: Das Fett zer­geht förm­lich auf der Zunge – eine groß­ar­tige Jause! 

Mangalitzaspeck der Fleischerei Karlo
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Nur blöd, daß ich den Groß­ein­kauf einen Tag auf­ge­scho­ben habe, denn da war vom Kar­ree­speck nur noch das Rand­stück übrig. Natio­nal­park-, Puszta- und andere Wür­stel gab es aber noch genug, so daß wir eine Woche spä­ter eine kleine Ver­ko­stung ver­an­stal­ten konn­ten.

Ortsschild "Illmitz Hölle"
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Zum Abschluß unse­rer Reise besuch­ten wir das Frei­ge­hege der Natio­nal­park-Manga­litza­schweine in der Hölle, einem Ill­mitzer Orts­teil. „Wir muß­ten durch die Hölle gehen“, wort­wört­lich. Manga­litza­schweine sind Fett­schweine, wie wir schon am Speck­quer­schnitt oben sehen konn­ten. Mit ihrem dich­ten Fell sind sie beson­ders gut an die Frei­land­hal­tung ange­passt. Aus der Distanz könn­ten man die Schweine fast für Schafe hal­ten (die „Wolle“ ist beim Angrei­fen aber deut­lich weni­ger flau­schig).

Nach die­ser kur­zen Wan­de­rung war es schon fast wie­der Zeit für die Heim­reise. Vor­her konn­ten wir uns aller­dings noch im Gast­haus zur Dank­bar­keit stär­ken. Von die­sem Lokal­be­such dem­nächst mehr. 


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Der Küchenmeister

Der Küchen­meis­ter arbei­tet als Infor­ma­ti­ker und dilet­tiert in sei­ner Frei­zeit am Herd und Zir­ku­la­tor. Seit eini­gen Jah­ren gilt sein beson­de­res Inter­esse den moder­nen Küchentechniken.

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