»Wohin?«
»Nach dem Abendlande. Ich habe das Morgenland besucht, um die Sitten und Gebräuche desselben kennen zu lernen, und werde den Bewohnern des Abendlandes sehr viel zu erzählen haben, was sie nicht für möglich halten.«

Karl May: Von Bagdad nach Stambul

Von Wien nach Stambul III

Ja. mit diesem Eis kann man Fäden ziehen!
Bild: Klaus Putzer
Von der Wein­haue­rin kam kürz­lich der unge­fragte Rat­schlag, „mehr Bil­der, weni­ger Text“. Eigent­lich wollte ich ihn ja schon aus Prin­zip nicht befol­gen, aber da meine bei­den Istan­bul-Berichte bis­her nur je einen Vor- und Nach­mit­tag behan­delt haben, bleibt mir fast nichts ande­res übrig, wenn ich diese Woche noch zu unse­rem fischeln­den Fest­mahl kom­men möchte. Das chro­no­lo­gi­sche For­mat hat also aus­ge­dient, hier gibt’s nur noch the­ma­tisch grup­pierte Bil­der. (Und halt doch noch ein bis­serl Text dazu, ganz kann ich’s nicht las­sen.)

Armada Terrace

Ein Hotel­re­stau­rant im drit­ten Stock (ja, in der Istan­bu­ler Alt­stadt kann das noch ganz oben sein!) mit phä­no­me­na­ler Aus­sicht auf die asia­ti­sche Seite der Stadt. Meine Beglei­tun­gen woll­ten mir das erst ja nicht glau­ben und schwa­fel­ten was von „Gol­de­nes Horn“. Ein Blick in die Karte über­zeugte sie dann aber, daß sich das mit einem süd­sei­ti­gen Tisch wohl nicht ganz in Ein­klang brin­gen ließ.

Das Armada Ter­race war unser erster kuli­na­ri­scher Zwi­schen­stop am Anrei­se­abend (ein Sonn­tag). Ganz hin und weg waren wir vom Ser­vice (selbst nach­dem wir schon bezahlt hat­ten und auf­ge­stan­den waren, wurde noch ein­mal das Was­ser nach­ge­schenkt!), wes­halb wir es dann noch ein zwei­tes Mal besuch­ten. Das Essen auch dies­mal wirk­lich sehr OK. Unter der Woche war die Ser­vice­qua­li­tät vom Sonn­tag aber offen­bar auch in Istan­bul nicht auf­recht­zu­er­hal­ten; es war deut­lich weni­ger Per­so­nal unter­wegs. Nicht auf den Bil­dern, aber sehr fein der (zumin­dest angeb­lich) haus­ge­machte Abschieds­li­queur: Weich­seln mit einem Hauch Zimt, Nel­ken und Kar­da­mom (die ein­zige Zutat, die wir nicht selbst her­aus­ge­schmeckt haben).

Paşazade

Unser zwei­tes Hotel­re­stau­rant war das Paşa­zade, auf osma­ni­sche Küche spe­zia­li­siert. Auf der eng­lisch­spra­chi­gen Home­page sind teils unter­halt­same Anek­do­ten zur Ent­ste­hung der ein­zel­nen Gerichte ange­führt, für deren Rea­li­täts­be­zug über­nehme ich aber keine Haf­tung

 

Şehzade Erzurum Cağ Kebabi

Zu Şehzade Erzu­rum Cağ Kebabi hat es uns auf Emp­feh­lung von Istan­bul Eats ver­schla­gen, aber in einem Falt­blatt des Hotels wär’s auch gestan­den. Ich glaube trotz­dem nicht, daß es viele Tou­ri­stin­nen und Tou­ri­sten in die Hoca­paşa Sokak ver­schlägt, dazu ist das Gäß­chen zu klein. Obwohl, wer weiß, immer­hin wurde das kleine Lokal auch schon in der New York Times erwähnt. Dar­auf sind sie nicht ganz unstolz, wie man an der Tisch­de­ko­ra­tion erken­nen kann.

Cağ Kebap ist ver­mut­lich älter als das uns geläu­fige Döner Kebap. Der Unter­schied besteht haupt­säch­lich darin, daß für Cağ Kebap ein hori­zon­ta­ler Spieß und ein Holz­feuer ver­wen­det wer­den. Und natür­lich im Geschmack. Wow! Zar­tes Lamm mit fei­nem Grill­aroma, dazu Fla­den­brot, knacki­ger Salat und Ezme (scharf, aber von crus­hing pain, wie auf der zwei­spra­chi­gen Spei­se­karte ange­kün­digt, weit ent­fernt). Beim ersten Besuch woll­ten wir die Nach­speise (ja, wie­der eine Art Bak­lava) aus­las­sen, aber der Wirt hat sie uns auf­ge­drängt. Ein Stück für drei Per­so­nen hat dann auch nicht gereicht, wir haben nach­be­stellt!

Hafız Mustafa

Ein Zufalls­fund, aber nach Şehzade Erzu­rum Cağ Kebabi sind wir quasi über und in den Demel von Istan­bul gestol­pert. Hafız Mustafa, gegrün­det 1864. Obwohl ich Hafız Mustafa mit die­sem Ver­gleich ver­mut­lich unrecht tue. Wie auch immer, im obe­ren Stock­werk der Zen­trale gibt es ein net­tes Café mit Aus­blick auf die Galata-Brücke (und ja, dies­mal ist’s wirk­lich das Gol­dene Horn. Dazu gibt’s gefühlte drei Mil­lio­nen ver­schie­dene Sor­ten Bak­lava, Lokum und kan­dierte Früchte. Wobei „Früchte“ für unsere Ver­hält­nisse sehr weit, also bota­nisch, aus­ge­legt wird: Neben Oran­gen­scha­len, Man­da­ri­nen und Kasta­nien gibt es hier auch Melan­zani und Para­dei­ser in kan­dier­ter Form zu kau­fen (letz­tere schmecken im Unter­schied zu den wirk­lich guten Maroni übri­gens haupt­säch­lich süß).

Der Würstelstand von Istanbul

Nein, Döner gibt’s hier ver­gleichs­weise sel­ten (und wenn, dann nicht an einem Standl). Die wahre Snack-Lei­den­schaft der tür­ki­schen Bevöl­ke­rung ist der Maro­ni­brater. Woher auch immer im Som­mer die Maroni kom­men (beim eben­falls all­ge­gen­wär­ti­gen Mais ist das irgend­wie leich­ter vor­stell­bar).

Gegrillte Kastanien und Maiskolben am Straßenrand
Bild: Der Küchenmeister | mnd.sc

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Der Küchenmeister

<p>Der Küchen­meis­ter arbei­tet als Infor­ma­ti­ker und dilet­tiert in sei­ner Frei­zeit am Herd und Zir­ku­la­tor. Seit eini­gen Jah­ren gilt sein beson­de­res Inter­esse den moder­nen Küchentechniken.</p>

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