"My dear Fortunato, you are luckily met. How remarkably well you are looking to-day. But I have received a pipe of what passes for Amontillado, and I have my doubts.”

Edgar Allan Poe: The Cask of Amontillado

Über die Schwierigkeit, guten Sherry zu kaufen

Gestern war ich zum ersten Mal seit lan­ger Zeit bei Wein & Co, um recht­zei­tig vor der Som­mer­hitze meine Sherry-Vor­räte auf­zu­fül­len. In öster­rei­chi­schen Super­märk­ten wird man dies­be­züg­lich ja nur mit pick­sü­ßem Geschla­der der Kate­go­rie „medium dry“ ver­sorgt. Was noch für Wein & Co sprach: Der Ein­kaufs­gut­schein, der noch von der letzt­jäh­ri­gen Geburts­tags­feier auf mei­nem Schreib­tisch her­um­lag.

Lei­der war die Sherry-Aus­wahl auch im Wein & Co’schen flagship store in der Maria­hil­fer Straße recht ent­täu­schend: ein Fino, ein Man­za­nilla, ein Olo­roso, ein Pedro Ximé­nez. Net­ter­weise han­delte es sich bei dem Fino um einen Tío Pepe. Den muß ich ja schon auf­grund mei­nes User­na­mens hier mögen Ein Mas­sen­pro­dukt, keine Frage, aber ein sehr trink­ba­res. (Den Alko­hol­ge­halt von 15 Volums­pro­zent sollte man an einem hei­ßen Som­mer­tag halt nicht über­se­hen.)

Etikett einer Flasche Tío Pepe
Bild: Der Küchenmeister | mnd.sc
Fino sollte ja rela­tiv bald nach der Fla­schen­ab­fül­lung getrun­ken wer­den, blö­der­weise drucken aber immer noch die wenig­sten Her­stel­ler ein Abfüll­da­tum aufs Eti­kett. Jeden­falls nicht im Klar­text. Im Inter­net kur­sie­ren diverse Anlei­tun­gen zum Dechif­frie­ren der Abfüll-Codes (Ljddd mit einer Stelle für die Jah­res­zahl oder Ldddjj mit zwei Stel­len für die Jah­res­zahl, die Tage sind dabei jeweils vom 1. Jän­ner durch­ge­zählt). Der Tío Pepe hält sich nur nicht an diese Kon­ven­tion.

Also wie alt ist mein Tío Pepe denn nun? Nach­dem auf der Vor­der­seite die Pla­kette der IWSC 2010 ange­bracht ist (und da diese Aus­zeich­nun­gen jeweils im Novem­ber ver­ge­ben wer­den), müßte die Charge zumin­dest aus dem Jahr 2011 stam­men. Lei­der gibt auch die Web­site des Her­stel­lers Gon­zá­lez Byass keine Infor­ma­tio­nen zum Abfüll­da­tum preis. Aller­dings weist die Unter­seite zum Tío Pepe auf einen am Eti­kett ange­brach­ten QR-Code hin, der hier noch fehlt.

Wann der Eti­ket­ten­druck umge­stellt wurde, weiß ich natür­lich nicht, aber alles in allem würde ich stark auf eine Abfül­lung 2011 tip­pen. Für erhel­lende Hin­weise, wie sich der Code L-YA040W1 ent­schlüs­seln läßt, wäre ich aber trotz­dem dank­bar.

Post scrip­tum: Ich hätte doch vor der Ein­kaufs­tour goog­len sol­len, dann wäre mir der Stan­dard-Arti­kel „Sher­ry­kauf in Wien“ wie­der in Erin­ne­rung geru­fen wor­den. Mir scheint, die Situa­tion hat sich seit 2006 zumin­dest im „Supermarkt“-Bereich stark ver­schlech­tert (Wein & Co, Mer­kur). Näch­stes Mal also zu Böhle!


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Der Küchenmeister

<p>Der Küchen­meis­ter arbei­tet als Infor­ma­ti­ker und dilet­tiert in sei­ner Frei­zeit am Herd und Zir­ku­la­tor. Seit eini­gen Jah­ren gilt sein beson­de­res Inter­esse den moder­nen Küchentechniken.</p>

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7 Kommentare

  • Die Gärtnerin schrieb:

    Sherry mit Bir­nen­saft als Som­mer­ge­tränk muß ich auch mal pro­bie­ren.

  • Gravatar-Profilbild von KirschenkompottKirschenkompott schrieb:

    Wer­ter Küchen­mei­ster, bedient man sich schon des Rura­len, dann bitte rich­tig und nicht ein­ge­hoch­deutscht. Prost Mahl­zeit.

  • Liebe Frau Kir­schen­kom­pott, kön­nen wir uns auf „Gschla­der“ eini­gen? So steht’s näm­lich im Öster­rei­chi­schen Wör­ter­buch (auch wenn ich mich für die Vari­ante mit „Ge-“ immer­hin auf Jura Soy­fer beru­fen kann).

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