Mundschenk in der Weinschenke

Bar und Vitrine in der "Weinschenke"
Bild: Der Küchenmeister | mnd.sc
Letz­ten Sams­tag waren wir zum zwei­ten Mal in der Wein­schenke in der Fran­zens­gasse 11 in Mar­ga­re­ten. Vor­mals als „Deutsch­kreut­zer Wein­schenke“ einer der letz­ten Brannt­wei­ner der Gegend, fällt die aktu­elle Inkar­na­tion recht deut­lich in die Kate­go­rie „Bobo-Lokal“. Aber bitte nicht falsch ver­ste­hen: In einem Blog wie die­sem ist das kein abwer­ten­des Epi­the­ton!

Rückwärts gebratenes Roastbeef
Bild: Der Küchenmeister | mnd.sc
Unser erster Besuch fiel in die Zeit kurz vor der Ent­ste­hung von Der Mund­schenk & Com­pa­gnie. Kurz hatte ich schon damals über­legt, über das sehr beein­druckende Essen zu berich­ten – die etwas dürf­ti­gen iPhone-Bil­der gaben dann den Aus­schlag dage­gen. Das Menü wäre es jeden­falls Wert gewe­sen, auch wenn die Details inzwi­schen ein biß­chen ver­schwom­men sind: Eine Suppe mit dünn dar­über geho­bel­tem Katsuo­bu­shi. Die Flocken win­den sich, als wäre der Bonito zu einem zwei­ten Leben erwacht. Ebenso groß­ar­tig das rück­wärts gebra­tene Roast­beef, zu einem wirk­lich fai­ren Menü­preis und gün­sti­ger Wein­be­glei­tung.

Speisekarte der Weinschenke am 1. September 2012
Bild: Der Küchenmeister | mnd.sc
Dies­mal ist alles ähn­lich, aber nicht ganz. Die Wein­schenke ist immer noch ein Rau­cher­lo­kal, aber so lang wir drin sind, fällt uns das nicht wei­ter stö­rend auf. (Hin­ter­her ist’s aller­dings doch an der Klei­dung unüber­riech­bar.) Die Spei­se­karte kommt nur noch als A4-Zet­tel daher, Menüra­batt gibt es kei­nen mehr. Auch die Wein­be­glei­tung fällt zumin­dest an die­sem Abend aus, der Wein­spe­zia­list ist (nur an die­sem Abend?) nicht mehr da. Wobei die Geträn­ke­wahl ange­sichts der umfang­rei­chen und gün­sti­gen Wein­karte kein unlös­ba­res Pro­blem bleibt

Wir bestel­len die letzte Por­tion haus­ge­mach­ten Seitan in Curry-Sud, zwei­mal Suppe, zwei­mal angeb­lich „but­ter­wei­che“ Schweins­stelze, ein­mal Fleischla­berl. Erste Ver­wir­rung: Die Fleischla­berl kom­men vor der Suppe. Die Bestell­rei­hen­folge war ungün­stig, nach­ge­fragt wurde nicht. Die kalte Koch­sa­lat-Velouté mit Ana­nas­wür­feln sehr fein.

Gekühlte Kochsalatvelouté mit Balsamico-Reduktion, Olivenöl und gegrillter Ananas
Bild: Der Küchenmeister | mnd.sc
Ausgelöste Schweinsstelze auf Vogerlsalat, Karottenpolenta und Zwiebelpakoras
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Die Schweins­stelze ist grund­sätz­lich gut, „but­ter­weich“ trifft aber nicht ganz zu (einige am Tisch hat­ten Zwei­fel, sous-vide wäre es aber sicher mög­lich gewe­sen). Inter­es­sant das nudel­ar­tige geschnit­tene Gemüse oben­auf. (Was es war? Keine Ahnung, auf der Karte stand es nicht.) Der Vogerl­sa­lat ange­nehm knackig und frich.

Seitan in Thay-Curry-Sud
Bild: Der Küchenmeister | mnd.sc
Den Seitan habe ich nur kurz geko­stet, der Geschmack war, nun ja, eher neu­tral – jeden­falls im Ver­gleich zum sehr guten Curry-Sud nicht wei­ter auf­fäl­lig. Damit hat er meine Erwar­tun­gen sozu­sa­gen voll erfüllt . Sehr wohl­schmeckend waren übri­gens die knusp­ri­gen Kokos-Reis-Bäll­chen. Auf die­sem Niveau könnte ich mich zu vege­ta­ri­scher (oder sogar vega­ner?) Küche über­re­den las­sen. Hat jemand gute Adres­sen in Wien?

Zum Abschluß und nach drei Fla­schen Wein (Zu viert, falls es wer wis­sen will. Zwei­mal Grau­bur­gun­der und ein­mal die rote Cuvée „Stein­berg“ von Jalits, falls ich da jetzt nichts ver­wechsle.) gab es noch Milch­reis. Also nicht so für Kin­der, son­dern mit Salz­ka­ra­mell, Port­wein­fei­gen und sehr kakao­igen Scho­ko­la­den-Coo­kies. Wobei mir letz­tere schon vom ersten Besuch bekannt vor­ka­men (und in der Kon­si­stenz – sehr hart und spröde – etwas gewöh­nungs­be­dürf­tig).

Bild: Der Küchenmeister | mnd.sc
Unser Ein­druck nach dem zwei­ten Besuch? Gemischt. Unsere Erwar­tun­gen waren nach dem ersten Essen wohl ein­fach zu hoch, viel­leicht war’s auch ein­fach der fal­sche Tage. Jeden­falls war’s all in all nicht so fas­zi­nie­rend wie in unse­rer Erin­ne­rung. Ande­rer­seits: Fein war’s schon. Und trotz des Rauchs (oder des­we­gen?) hat die Wein­schenke etwas Gemüt­li­ches. Ich glaube, wir wer­den wie­der­kom­men.
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Der Küchenmeister

<p>Der Küchen­meis­ter arbei­tet als Infor­ma­ti­ker und dilet­tiert in sei­ner Frei­zeit am Herd und Zir­ku­la­tor. Seit eini­gen Jah­ren gilt sein beson­de­res Inter­esse den moder­nen Küchentechniken.</p>

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